Donnerstag, 29. April 2010

DJ-Fähigkeiten: Beatangleichung, Mixing und fliessende Übergänge

Liebe Mitstreiter hinter dem Mischpult,

dieser Beitrag geht mit erhobenem Zeigefinger an all die “Unterhaltungskünstler” da draußen, die sich großspurig selbst als Discjockey betiteln, aber nicht einmal wissen wie man Beats angleicht, richtig mixt und fließende Übergänge schafft.

Cafe-Del-MarDas ausschlaggebende Ereignis hierfür ist meine erste Tour als DJ an Bord des Kreuzfahrtschiffes AIDAvita, bei der man mich vor Vertragsabschluss gebeten hatte, doch eine Woche länger zu bleiben, da diese eine Woche im Herbst 2010 als “Über-30-Party-Tour” im Mittelmeer verkauft wurde und mir zwei “professionelle DJ-Kollegen” die Arbeit abnehmen würden. Als besonderer Anreiz für diese Tour wurden Ibiza und das schöne Barcelona sogar “Overnight” besucht. Was sich die Veranstalter allerdings dabei dachten die Partyinsel Ibiza eine Woche nach Saisonende (!) und Barcelona an einem Montag anzulaufen frag ich mich heute noch. *kopfschüttel*

Ueber-30-Party-DJEntsprechend mau waren die Buchungen, nur etwa 300 von knapp 1200 Gästen an Bord des Schiffes hatten wegen der Ü30-Party gebucht, der Rest der Gäste ging eher als Ü60-Tanztee-Gesellschaft durch.  Nachdem ich meine Mitstreiter an der schiffseigenen Technik eingewiesen hatte und mir die Zeit nahm da einmal zuzuhören wusste ich auch warum. Die gut bezahlten Herren, die dann einige meiner Gigs am Pooldeck und in der Anytime Bar übernehmen sollten waren angeblich vom Fach, nur aus welchem?  Nach kurzem Überlegen fiel es mir dann ein:

Das Fach, bzw. die Schublade des ersten Plattenschubbsers war eindeutig  “Übergangszerlaberer” und das des zweiten “Zufallsmixer”.  ;-) Was das ist?

- Kategorie 1 - der “Übergangszerlaberer”
Hierbei handelt es sich um die Art von Möchtegern-Radio-Moderator, die nach jedem einzelnen noch Ihren hochgeistigen Senf dazu geben, weil sie es einfach nicht checken, wie man einen fließenden Übergang hinbekommt. Und dabei ist das gerade bei dieser Art von neuem deutschen Schlager und Discofox nicht wirklich schwer – es hört sich eh alles gleich an und der Beat kommt vom Fließband. Statt einfach ein wenig zu pitchen, den Beat anzugleichen und im richtigen Moment das Play-Knöpfchen zu drücken kommt dann ein Spruch wie: “…und der nächste Titel ist im Original von Whitney hat Husten…”

- Kategorie 2 - der “Zufallsmixer” 
Dieser Typ ist eine Art von Teilzeit-MP3-Sammler , die bereits den Computer als Arbeitsmittel für sich entdeckt hat - nur mit den Zahlen neben den drei magischen Buchstaben BPM kann er einfach nix anfangen.
Kleiner Tipp: Das bedeutet “Beats per Minute”, kommt wie so vieles in Sachen neumoderner Musik aus dem englischen und steht für “Schläge / Takte in der Minute”. Musiktitel welche in etwa die selbe Geschwindigkeit haben, kann man mit entsprechender DJ-Software aber auch mit professionellen CD-Playern vom Tempo her angleichen und somit nahtlose Übergänge abmischen. Sowas hört der Gast auf der Tanzfläche sehr gerne! ;-)

Was es noch für DJ-Typen in Sachen Übergänge und Mixen gibt? Oh Ihr werdet staunen…

- Da wäre noch der notorische “Ein- und Ausblender”, der die Fader am Mischpult bei wirklich jedem Titel nutzt und damit jedes Musikstück, egal ob es das braucht oder nicht, sauber ein- und ausblendet. 

- Dann gibt es noch den “Laptop-DJ aus der Steinzeit”, der nur auf den tragbaren Uralt-Computer guckt um in der Excel-Datenbank nachzuschauen, auf welcher feinsäuberlich durchnummerierten CD der gerade gesuchte Titel drauf ist.

- Die nächste Stufe wäre dann der “Ich-spiel-mal-DJ-Hero”, welcher mit zwei geklonten Notebooks und iTunes seine Titel via Kopfhöreranschluss auf der großen Anlage abspielt und sich über Störgeräusche wundert.
Auch hier ein kleiner Tipp: Dafür gibt es gute, externe Soundkarten, professionelle DJ-Konsolen und spezielle DJ-Software für wenig Geld. Schau mal hier:



Hier noch ein paar Links zu der gängigsten DJ-Software, die es auch als abgespeckte oder Trial-Version zum kostenlosen Download gibt: Virtual DJ | MixMeister | Traktor Pro | Serato | BPM-Studio

Natürlich sollte man sich auch hier die Mühe machen und die Anleitung lesen , ausprobieren oder es sich von jemanden erklären lassen, der sich damit auskennt. Die eigentlich Arbeit des Auflegens und Mixens nimmt Dir diese Software auch nicht wirklich ab, auch wenn es da einen Automix-Button gibt… ;-)

- Weiter geht es mit den “Internet-Mixern”, die auf Plattformen wie Soundcloud oder Letsmix ihre tollen Mixe anbiedern – klingt schön perfekt, aber ein richtiger DJ kann nicht stundenlang am perfekten DJ-Set rumbasteln, er spielt live und in Farbe vor Publikum und muss dort sein Können, oft auch unter Zeitdruck beweisen. Und manchmal kommt selbst das ausgefeilteste DJ-Set nicht wie erwartet bei den Gästen an.

Mr.iMusicTV Von einem angeblichen Profi-DJ, welcher seinen Lebensunterhalt mit der Musik verdient erwarte ich jedoch ein wenig mehr. Dementsprechend wurde ich auch bereits am zweiten Abend, sowohl von diversen Gästen, als auch von den Veranstaltern Lufthansa City Systems und iMusic.tv, sowie meiner Entertainment-Chefin gebeten, das weitere Programm zu übernehmen. Schließlich hängt da ein wenig Umsatz dran. Die einfache Formel: Je besser die Stimmung, desto länger der Abend, desto mehr wird getrunken… so einfach ist das!

Natürlich gibt es da auch noch die totalen Überflieger-Vollprofi-Superstars und Vinyl-Fetischisten, welche vorzugsweise im Club und nur von Platte auflegen, da es ja nix besseres gibt. Diese Jungs und Mädels können dann scratchen und zaubern ohne Ende, schleppen dafür aber ganz schön viel Equipment für noch mehr Geld durch die Gegend, es sei denn sie sind bereits auf Serato Scratch live umgestiegen und legen mit Timecode-Platten auf.

Für jede normale Party ist das jedoch viel zu viel Aufwand. Ein erfahrener Party-DJ, der unterschiedliche musikalische Genres kennt und beherrscht und die Übergänge mit etwas Feingefühl und wenig Gelaber auf die Lautsprecher  bringt ist viel wert. Auch ein wenig Gespür für das Publikum und ein bisschen Selbstsicherheit – nicht Selbstverliebheit - helfen da ungemein. Wer selbst schon die ein oder andere Feier organisiert hat weiß das auch…

Abschließend will ich einfach mal nur folgendes feststellen:
Jeder DJ bekommt früher oder später das Publikum, welches er verdient – ich hatte am Samstag den 10. April 2010 beim 9. HDW-Festival in Wörnsmühl übrigens das beste Publikum aus den Landkreisen Miesbach, Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen und durfte ohne eine halbe Stunde Zugabe nicht heimgehen. Was will man mehr? ;-)

Euer Party- und Hochzeits-DJ Dan

P.S.: Welche DJ-Typen kennt Ihr denn noch so? Schreibt mir das doch mal, es würde mich brennend interessieren!

Kommentare:

robperkins.eu hat gesagt…

*lol* wie war wie war... Da wären noch die "Ex-Light Jokey DJs" welche die Beats mischen wie eine Lichtanlage (an/aus) dann gibt es da noch DJ Rich Kid (guckst Du: http://rob-perkins-a-djs-life-thru-a-lens.blogspot.com/2010/04/dj-intervention-part-1.html) ach da gibt es viele... ;)

Ich nutze die Soundclouds und Let´s mix Portale um neue scheiben vorzustellen, denn als Party DJ kann man nie die gerade neu erworbenen Platten/Songs spielen, teilweise muss man bis zu einem Jahr warten um die Songs bei einer Party einsetzen zu können weil sie endlich mal jemand kennt. Wenn man selber Musik macht ist Soundcloudein sehr nützliches Promotion Tool...

dj bayern hat gesagt…

Es gibt auch wahre Mix -Meister, die auf"Teufel-komm-raus" immer nach passenden Titeln suchen und dabei ganz vergessen, dass es allmählich langweilig wird.
Perfekte Übergänge sind für einen Profi unerlässlich. Aber auch nicht vergessen : Die wahre Kunst liegt immernoch darin, zur rechten Zeit,den richtigen Titel zu finden. Ob da jetzt ein guter Übergang möglich ist oder nicht, ist hier letzlich egal.