Sonntag, 21. November 2010

Ein DJ auf Clubtour in München

Hey Party-People,

stellt Euch das mal vor, seit über zweieinhalb Jahren hatte ich endlich mal wieder Zeit (und vor allem auch Lust) in einer Samstag Nacht um die Häuser zu ziehen. Wo könnte man das besser als in einer Stadt wie München? Los ging es zum Abendessen in einer der schönsten Adressen in Münchens, dem Park Café. Zu entspannten Lounge-Klängen gab es lecker Essen und gute Unterhaltung mit dem immer-gut-drauf-Geschäftsführer Chris Lehner, für den ich hin und wieder bei Veranstaltungen und Weihnachtsfeiern als Münchner Event-DJ aktiv bin.
So geht es am Rosenmontag 2011 wieder rund mit Clubschiff-AIDA DJ Dan – lasst Euch überraschen… Zwinkerndes Smiley

Nach diesem positiven Start ging es gut gelaunt zu Fuß durch die Kälte die Sonnenstraße entlang Richtung 8seasons. Einfach mal wieder reinschnuppern was so in den angesagten Clubs der Stadt läuft, ein wenig Inspiration bei den DJ-Kollegen holen. Es ist schon ein ungewohntes Gefühl mal wieder als Gast unterwegs zu sein, wenn man sich sonst mit den Koffern in der Hand durch den Hintereingang oder an der Security vorbei in die Clubs begibt. Prompt gab es auch die erste Spaßbremse des Abends – den Türsteher vor dem 8seasons. Obwohl keine Schlange anstand hieß es bereits um 23:00 Uhr: “Sorry, heute nur mit Gästeliste…”  - äh sorry – seid Ihr jetzt schon auf P1 oder Pacha-Niveau? War ich nicht korrekt gekleidet? Mal abgesehen vom grammatikalisch tollen Deutsch des Muskelpaketes – so voll sah das wirklich nicht aus um diese für München eher frühe Uhrzeit… schon enttäuschend, aber was soll’s? Interessant mal zu erleben wie es anderen Gästen geht. Es gibt noch genug andere Läden in München…

Zurück zum Auto und ab in die Nachtgalerie, einfach mal gucken wo sich die Jugend heutzutage so rumtreibt. Doch schon am Eingang gab es die nächste Spaßbremse, obwohl uns dieses mal der Türsteher hinein ließ:

Halber Preis weil halber Spaß – Tanzverbot ab Mitternacht – 22.11.2010 – Totensonntag in Bayern!

Oh Mann! Dunkel erinnerte ich als langjähriger DJ an dieses traurige, veraltete Kapitel des katholischen Bayern, wobei ich jetzt nicht in München damit gerechnet hatte. 5 statt 10 Euro Eintrittspreis waren zwar okay, aber früher gab es als Gegenwert mal einen Getränkegutschein. Was soll’s… Positiv überrascht war ich dann von den absolut moderaten Getränkepreisen, wie etwa 50 Cent für 0,2 l Cola – Plus einem Euro Pfand. Dank Feiertag war lediglich die Hauptarea geöffnet, wo fast nur House und dancelastige Black Music ab 125 BPM aufwärts lief. Interpreten wie etwa Rihanna, Tai Cruz oder Lady Gaga liefen vom Apple MacBook samt Serato Scratch Live und Timecode-Vinyls. Punkt Mitternacht änderte sich das dann aber schlagartig, als der arme Discjockey seine Ansage machen musste, dass es ab jetzt ruhiger werden muss. “Million Voices (7 Seconds)” von Thomas D bildete den Auftakt zum Totentanz... nicht ganz das was ich mir unter einer Clubnacht vorstellte.

Da ich mir dieses Trauerspiel nicht antun wollte ging es weiter Richtung Ostbahnhof, ab in die Kultfabrik, wo es eigentlich immer Party gibt. Nach einem kurzen Snack im Freien ging es vorbei an den seltsamen Gestalten der Nacht in den Q Club, das ehemalige Babylon. Trotz Totensonntag war hier für schlappe 8 Euro Eintritt (wieder ohne irgendwelche Gutscheine) Vollgas-Musik angesagt. Auch hier spielten die DiscJockeys, sowohl in der großen als auch in der kleinen Area, mit Apple MacBook samt Serato Scratch Live und Timecode-Vinyls. Das sieht war furchtbar hipp und trendy aus, wenn da der weißer Apfel aus dem DJ-Booth leuchtet und einer an den Plattentellern rumfummelt, ist aber heutzutage eigentlich nicht mehr notwendig. Aber das Auge isst nun mal mit und eine schöne Show muss man halt passend verkaufen. So zauberte der progressiv angehauchte House-DJ in der Hauptarea bei hör- und spürbar über 130 BPM im Zweiminutentakt einen Titel nahtlos an den anderen und rockte damit die volle Tanzfläche, jedoch fehlte auch nach über einer halben Stunde der dringend notwendige Spannungsaufbau. Zwar gab es als Zuckerl zwischendurch Leckerlies wie Candys & Jack Holiday - Insomnia (Chris Crime Infinity Remix) oder andere bekannte Clubhymnen, aber danach liefen dann wieder 08/15-Housenummern, zum Teil auch aus den letzten zehn Jahren. Was mir daran nicht passte? Na bei guten DJ’s werden die Titel nicht nur technisch perfekt aneinander gereiht, man macht sich auch über die Titelzusammenstellung und die damit verbundene Steigerung der Stimmung Gedanken. Hier dümpelte die Stimmung mehr oder weniger gut vor sich hin, während alle fünf oder sechs Titel ein Highlight gestreut wurde. Vielleicht war der Musikus aber auch einfach nur zu sehr damit beschäftigt seine zahlreichen weiblichen Gäste mit Bussi links und Bussi rechts zu begrüßen. Aber schön mal zu sehen und vor allem hören was die Kollegen an den Turntables so treiben, das war ja auch der Sinn der Sache...

Ab ging es durch die betrunkenen Massen und zahlreichen Scherben am klebrigen Boden in die kleinere Area, wo Partysound aus vier Jahrzehnten lief. Die Stimmung war gut, es wurde fleißig mitgesungen, was aber die Zusammenstellung der Titel und die Übergänge betraf… naja… muss man nach zwei Dance-Klassikern aus den 90er-Jahren Oldies wie Chordettes Lollipop wirklich scratchend einmixen? Passt danach gleich Inner Circle’s Bad Boys – ebenfalls eingescratcht? Irgendwo fehlte da das Konzept…

Okay, ich als hauptberuflicher DJ bin da natürlich etwas anspruchsvoller als ein betrunkener Partygast, aber selbst wenn ich Alkohol trinke erwarte ich schon ein bisschen mehr Köpfchen bei der Titelauswahl und etwas weniger Lust an der Selbstdarstellung.

Um kurz vor 3 Uhr ging es dann wieder Richtung Heimat und es war trotz allem ein unterhaltsamer Abend. Inkognito als Tonspion unterwegs -  quasi auf DJ-Fortbildung. Bin gespannt wann ich mal wieder die Zeit dazu finde….

Was ich als Nachtschaffender selten so erlebt habe, war die extreme Abcheckerei und Fleischbeschau in allen besuchten Clubs. Wer als junger Mensch in München auf Partnersuche ist hat vor allem in den großen Läden gute Chancen etwas aufzugabeln… wie lange das hält ist allerdings die andere Frage…

Party on wünscht Euch Euer DJ Dan! Zwinkerndes Smiley

1 Kommentar:

robperkins.eu - 089DJ.com hat gesagt…

Ja das gute Münchner Club und Nachtleben... ;)